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Sunken Steamers


Die Britannic - das kurze Leben der j√ľngeren Titanic-Schwester
Die Britannic - 1914 -1916
igentlich sollte es dasjenige Schiff sein, mit dem die White Star Line ihre Liner-Troika der Olympic-Klasse vervollständigen und damit sowohl die inländische Konkurrenz von Cunard als auch die deutsche HAPAG in Sachen Vorherrschaft auf dem Transatlantikmarkt zu beeindrucken gedachte.

Doch noch w√§hrend die Planungen zur Konstruktion an dem Liner liefen, der sp√§ter den Namen Gigantic tragen und entsprechend seines Namens seine Vorg√§nger an Pracht und Gr√∂√üe nat√ľrlich wiederum weit √ľbertreffen sollte, ereilte dessen j√ľngeres Schwesterschiff Titanic bereits auf ihrer Jungfernfahrt ihr Schicksal in Form eines Eisberges - und die Planungen von White Star f√ľr einen Liniendienst mit drei gro√üen Ozeandampfern hatten sich j√§h zerschlagen.

Auf die Konstruktion des neuesten Juwels der White Star hatte die Titanic-Katastrophe ebenfalls direkte Auswirkungen. Einmal davon abgesehen, dass die Reederei sich nun von dem geplanten Namen Gigantic verabschiedete und lieber den weniger herausfordernden Namen Britannic f√ľr das neue Schiff w√§hlte, sollten dem Liner auch all jene Erkenntnisse und Lehren zugute kommen, die man mittlerweile aus dem Untergang der Titanic gezogen hatte. Nicht nur, dass das Schiff diesmal mit einer ausreichenden Menge von Die Britannic auf der Helling, 1913 Rettungsbooten best√ľckt werden sollte - auch die Kr√§ne zum Abfieren der Boote wurden g√§nzlich neu entworfen und verbessert - in ihrer Endversion waren sie um ein vielfaches gr√∂√üer als die alten Welin-Davids, die bei der Titanic ausschlie√ülich zum Einsatz gekommen waren, konnten jeweils bis zu sechs Rettungsboote abfieren und waren gro√ü genug, um sogar √ľber die Aufbauten hinweg Boote von der anderen Seite des Schiffs zu holen, falls dort das Abfieren nicht m√∂glich w√§re. Weiterhin wurde das Prinzip der wasserdichten Abteilungen verbessert, sie endeten im Vergleich zur Titanic um einige Decks h√∂her, so dass der Fall, dass Wasser einfach √ľber die Schotts hinweg von einer Abteilung in die andere laufen konnte nicht so leicht eintreten konnte. Selbst mit sechs gefluteten Abteilungen sollte die Britannic noch schwimmf√§hig bleiben, so die Planungen der Konstrukteure - bei der Titanic hatten f√ľnf geflutete Abteilungen bereits ihren Untergang bedeutet.

Solcherma√üen gut vorbereitet auf alle maritimen Widrigkeiten wollte White Star die Britannic 1914 in das Rennen um die Transatlantik-Passagiere schicken. Werbeplakat der White Star Line anlässlich des Stapellaufs der Britannic, 1914 Im Februar des Jahres lief das Schiff vom Stapel, danach begannen die Arbeiten an Aufbauten und Interieur des Schiffes. Jedoch kam es nicht mehr dazu, dass die Britannic ihre ihr urspr√ľnglich zugedachte Aufgabe erf√ľllen konnte: durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges im Sommer 1914 wartete nun auch auf das noch im Bau befindliche neue Flaggschiff der White Star eine kriegswichtige Aufgabe. W√§hrend ihr √§lteres Schwesterschiff, die Olympic, wie so viele andere Passagierdampfer nun ihren Dienst als Truppentransporter f√ľr die Royal Army verrichten mussten, hatte die Admiralit√§t f√ľr die Britannic eine andere Aufgabe vorgesehen: sie sollte der britischen Armee als Lazarettschiff dienen, und mit modernster klinischer Ausr√ľstung best√ľckt nun verwundete Soldaten von den Schlachtfeldern Europas in die Heimat zur√ľcktransportieren.

Entsprechend wurde die bereits vorhandene Inneneinrichtung des Schiffes wieder entfernt und ausgelagert, und der Liner selbst f√ľr den Einsatz als Lazarettschiff vorbereitet: aus dem Erster Klasse-Speisesaal wurde eine Intensivstation, aus dem gro√üen Empfangsraum des Schiffes ein Operationssaal, die Gesellschaftsr√§ume der oberen Decks sollten nun als Lagerst√§tten f√ľr die Verwundeten dienen. Das Schiff erhielt einen neuen Anstrich, statt des charakteristischen wei√ü-schwarzen Rumpfkleides wurde die Britannic nun g√§nzlich wei√ü, unterbrochen nur von einem dicken gr√ľnen Querstreifen und deutlich sichtbaren roten Kreuzen, die in der Nacht beleuchtet waren - eine eindeutige Kennzeichnung des Dampfers als ein Lazarettschiff, der damit von der Genfer Konvention gesch√ľtzt war und eigentlich nicht von feindlichen Schiffen angegriffen werden durfte.

Das Einsatzgebiet der Britannic wurde der Mittelmeerraum, von wo sie dann ab 1916 verwundete Soldaten des Empires, die auf dem Balkan, in Pal√§stina und in Arabien Charles Bartlett, Kapitän der Britannic gegen Deutsche und Osmanen gek√§mpft hatten, wieder nach Gro√übritannien bringen sollte. Schon lange hatte sich der zu Beginn gut zwei Jahre zuvor von den europ√§ischen Gro√üm√§chten fast schon begeistert herbeigesehnte "Gro√üe Krieg" zu einem grausamen und unerbittlichen Stellungskampf verwandelt, der hohe und immer h√∂here Opfer forderte und dessen Ende dennoch nirgends in Sicht war. Es gab somit viel Arbeit f√ľr das neue Lazarettschiff ihrer Majest√§t Britannic, und auf ihren ersten Dienstfahrten wurde ihre Gesamtkapazit√§t von rund 3300 Verwundeten zumeist voll ben√∂tigt.

Am 12. November des Jahres 1916 lief das Schiff unter dem Kommando von Kapitän Charles Bartlett bereits zum sechsten Mal von Southampton mit Kurs auf das Mittelmeer aus, um aus einem britischen Lazarettlager auf der griechischen Insel Lemnos Verwundete in die Heimat zu evakuieren. Nach einem zwei Tage währenden Zwischenstopp in Neapel, wo die Britannic Kohle bunkerte und abschließend das Nachlassen eines schweren Wintersturms abwartete, setzte sie ihre Reise in Richtung östliches Mittelmeer am 19. November fort.

Ihr Ziel, das Lager Mudros auf Lemnos sollte die Britannic indes nie erreichen. Am Morgen des 21. November wurde die Besatzung durch einen lauten Knall und eine deutlich sp√ľrbare Ersch√ľtterung des Vorschiffs j√§h aus ihrem √ľblichen Tagewerk gerissen. Rauch stieg an der Steuerbordseite des Bugs auf und Wasser str√∂mte heftig in die vorderen Lader√§ume. Da die Besatzung keine Verwirbelungsspur ausmachen konnte, die auf den Einschlag eines Torpedos h√§tte schlie√üen lassen, lag es nahe, dass das Schiff auf eine Mine gelaufen war. In der Tat befanden sich einige deutsche U-Boote im Mittelmeer im Einsatz, und zumindest ein Boot, die U-73 unter Kapit√§nleutnant Gustav Siess, hatte nicht lange zuvor in der griechischen √Ąg√§is operiert und dabei auch Minen gelegt.

Kapit√§n Bartlett regierte ruhig und bestimmt, lie√ü die Schotten schlie√üen und einen Notruf absetzen, wobei er davon ausging, dass das Schiff schwimmf√§hig bleiben w√ľrde. Jedoch hatte die Explosion das Schott zwischen dem zweiten und dritten Laderaum zerst√∂rt und zudem zwei weitere Schotts und die wasserdichte T√ľr im Heizerkorridor so stark besch√§digt, dass Wasser auch in die hinter und vor dem eigentlichen Leck befindlichen Abteilungen eindringen konnte und damit bereits f√ľnf Abteilungen des Schiffes sich mit Wasser zu f√ľllen begannen. Ungl√ľcklicherweise wollte auch die Schottt√ľr zwischen Kesselraum 5 und Kesselraum 6 nicht richtig schlie√üen, und das, obwohl sie eigentlich weit genug von der Explosionsstelle gelegen war - damit f√ľllten sich sechs wasserdichte Abteilungen der Britannic mit Wasser - nach den Konstruktionspl√§nen das Maximum, mit dem sie h√§tte schwimmf√§hig bleiben m√ľssen.

In der Tat hielt dann auch das Schott zwischen Kesselraum 4 und Kesselraum 5, jedoch dr√ľckte das eindringende Wasser den Bug tief ins Wasser, und nun r√§chte es sich, dass entgegen der Sicherheitsbestimmungen viele Bullaugen ge√∂ffnet waren - dies vermehrte den Wassereinbruch noch und verst√§rkte die Schlagseite der Britannic nach Steuerbord. Die Britannic sinkt, nachdem sie auf eine Mine aufgelaufen ist, 1916 Zus√§tzlich wurde der Wassereinbruch durch ein Man√∂ver von Bartlett verst√§rkt. Angesichts des Umstandes, dass sich das Schiff in diesem Augenblick nur wenige Kilometer von der griechischen Insel Kea entfernt und damit in unmittelbarer Sichtweite von Land befand hoffte Bartlett, das Schiff vielleicht noch nahe genug an die Insel heran- und dann auf Grund setzen zu k√∂nnen und lie√ü daher mit Volldampf Kurs auf die Insel setzen, wodurch nur noch mehr Wasser in das Leck am Bug gedr√ľckt wurde. Jedoch musste er bald die Aussichtslosigkeit seines Vorhabens erkennen, lie√ü die Maschinen wieder stoppen und die Boote klarmachen. In der Tat schien es so, dass sich die Britannic doch nicht wie geplant mit sechs gefluteten Abteilungen √ľber Wasser halten konnte, sei es wegen des zus√§tzlichen Wassereinbruchs durch die ge√∂ffneten Bullaugen, durch die immer st√§rker werdende Schlagseite oder - wie oftmals sp√§ter vermutet wurde - durch die Explosion heimlich transportierter Munition; etwas, was vor allem die Deutschen immer wieder geargw√∂hnt hatten. Genau gekl√§rt werden konnte diese Frage sp√§ter jedoch nicht. Immerhin zahlte es sich f√ľr die Besatzung nun aus, dass die Britannic mehr als ausreichend Platz in ihren Rettungsbooten f√ľr die Schiffbr√ľchigen bot: in den rund 50 Minuten, in denen sich die Britannic nach der Explosion noch an der Wasseroberfl√§che hielt, gelang es, nahezu alle der rund 1000 Mitglieder z√§hlenden Besatzung zu evakuieren, so dass am Ende nur wenige Dutzend Opfer zu beklagen waren. Auch Hilfe war rasch herangeeilt; nur kurze Zeit nach dem Untergang der Britannic konnte ihre Besatzung bereits von herangeeilten britischen Kriegsschiffen und einem griechischen Fischkutter, der aus dem nahen Inselhafen St. Nikolo zu Hilfe gekommen war, aufgenommen werden.

Als Lazarettschiff hatte die Britannic in ihrem kurzen Leben dem Vaterland gute Dienste geleistet. Und auch wenn es bedauerlich ist, dass sie niemals ihre F√§higkeiten in der ihr eigentlich zugedachten Bestimmung das Atlantikliner unter Beweis stellen konnte - andere Schiffe sollten nach dem Krieg an die Stelle treten, die f√ľr die Britannic vorgesehen war - und ganz neue Geschichten schreiben.

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