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Sunken Steamers


Die Titanic - ein Schiff als Mythos, Menetekel und Mahnmal der Menschheit
Die Titanic - 1912
ie hat die ihr gestellte Aufgabe nicht ein einziges Mal vollst├Ąndig erf├╝llt, sie hat niemals ihre Leistungsf├Ąhigkeit unter Beweis stellen k├Ânnen, sich niemals im Linienbetrieb einen Ruf erwerben k├Ânnen. Und dennoch - und wohl auch gerade wegen dieser Umst├Ąnde - wurde sie zum ber├╝hmtesten aller Liner, und man mag sogar annehmen, zum ber├╝hmtesten Wasserfahrzeug ├╝berhaupt. Unzweifelhaft umgibt kein Schiff, das sonst noch die Meere ├╝berquerte ein solch gro├čer Mythos wie es beim Royal Mail Steamer Titanic der Fall ist. Der Mythos ist gr├Â├čer als all das, was das eigentliche Passagierschiff Titanic je ausmachte, das ja gerade einmal 5 Tage seinen Dienst verrichtete. Denn im Schicksal dieses Schiffes fanden sich all diejenigen Elemente, die die gro├če klassische Trag├Âdie der Antike ausmachten, zudem die grausame Erkenntnis einer damals in fast bedingungsloser Fortschritts- und Technikgl├Ąubigkeit euphorisierten Menschheit, dass nichts, was sie der Natur entgegenstellt, ihr mit absoluter Sicherheit trotzen kann. Es war ein menschliches Drama mit Schuld, Vers├Ąumnissen, Fehlern, gepaart mit der schicksalhaften Unausweichlichkeit. Und weil in ihm versinnbildlicht so viele Tr├Ąume und ├ängste eines jeden Menschen erweckt und hervorgerufen wurden, entwuchs dem bis dahin schlimmsten Seeungl├╝ck in Friedenszeiten eine mythische Komponente, eine Faszination, die bis heute nicht erloschen ist und in hunderten von B├╝chern, Dramen und Verfilmungen gegenw├Ąrtig bleibt.

All das war freilich nicht abzusehen, als im Jahre 1907 die ersten Gedankenspiele zum Bau der Liner der Olympic-Klasse stattfanden. Vor kurzem erst war Cunards Lusitania vom Stapel gelaufen und hatte neue Ma├čst├Ąbe in Bezug auf Geschwindigkeit und Komfort auf den Weltmeeren gesetzt. Ein Umstand, von dem Cunards sch├Ąrfster britischer Konkurrent, die White Star Line, schwerlich begeistert sein konnte, stand doch zu erwarten, dass Cunard mit der Lusitania und der Mauretania auf absehbare Zeit den Passagierverkehr ├╝ber den Atlantik dominieren w├╝rden. Eine Herausforderung, auf die White Star zu reagieren gedachte, und f├╝r das sie als Konzerntochter von J.P. Morgans m├Ąchtiger International Mercantile Marine auch die erforderlichen Mittel besa├č.

Konzipiert wurden zwei Liner von gigantischen Ausma├čen, die mit rund 45.000 Bruttoregistertonnen die Cunard Schnelldampfer um rund 50% an Gr├Â├če ├╝bertreffen und dar├╝ber hinaus nie gekannten Komfort und Luxus an Bord bieten sollten. Mit einer geplanten L├Ąnge von rund 270 Metern sprengten die Dampfer die Dimensionen bisheriger Helling-Anlagen; Die Titanic und Olympic auf der Helling, 1910 die britische Werft Harland & Wolff, die traditionell die White Star Dampfer auf Kiel legte und baute, musste somit ganz neue Anlagen zum Bau der Schiffe konstruieren. Es war von Anfang an nicht vorgesehen, sich mit den schnellen Cunard-Linern in punkto Geschwindigkeit zu messen; die White-Star Dampfer sollten ihr Publikum durch ihre majest├Ątische Gr├Â├če und den an Bord gebotenen Luxus gewinnen. Dennoch sollten die Liner - mit zwei Dreifach-Expansionsmaschinen und einer Niederdruck-Dampfturbine ausger├╝stet - genug Geschwindigkeit aufnehmen k├Ânnen, um den Atlantik in deutlich weniger als einer Woche zu ├╝berqueren.

Mit der Kiellegung des j├╝ngeren Schwesterschiffes der Titanic, der Olympic, wurde Ende 1908 begonnen, wenige Monate sp├Ąter wurden direkt daneben die Arbeiten am Rumpf der Titanic begonnen. Unter einem beinahe 70 Meter hoch aufragenden, eigens f├╝r den Bau konstruierten Helling-Ger├╝st nahmen die beiden Ozeanriesen dann in den n├Ąchsten anderthalb Jahren Gestalt an. Im Herbst 1910 schlie├člich wurde der Rumpf der Olympic vor einer gro├čen Zuschauerzahl zu Wasser gelassen, und ein gutes halbes Jahr sp├Ąter war sie f├╝r ihre Jungfernfahrt ├╝ber den Atlantik bereit. Das Kommando ├╝ber die Olympic bekam Edward J. Smith, der im kommenden Jahr auch die Titanic auf ihrer ersten und einzigen Fahrt kommandieren sollte. Die ├ťberfahrt verlief ohne gr├Â├čere Probleme und lie├č White Star gro├če Erwartungen an den kommerziellen Erfolg des regul├Ąren Linienverkehrs kn├╝pfen, sobald erst einmal beide Liner einsatzbereit waren. Vor allem hatte die Reederei bereits Pl├Ąne f├╝r ein drittes Schwesterschiff in der Schublade, mit welchem sich die White Star endg├╝ltig einen gro├čen Anteil am Transatlantikverkehr h├Ątte sichern k├Ânnen.

Am 10. April 1912 war dann auch die Titanic bereit f├╝r ihre erste Atlantik├╝berquerung. Sie war im Gro├čen und Ganzen baugleich mit der Olympic, jedoch hatte sie in einigen Punkten bauliche Ver├Ąnderungen erfahren, die gr├Â├čtenteils aus Erfahrungen mit Konstruktionen auf der Olympic resultierten, Die Titanic in Southampton, 5. April 1912 die sich als weniger g├╝nstig erwiesen hatten. Augenscheinlichster ├Ąu├čerlicher Unterschied zwischen den beiden Schiffen war dabei die Verkleidung des Promenadendecks bei der Titanic bis hin zum Fu├č des dritten Schornsteins als Windschutz. Die 30cm, die die j├╝ngere Schwester l├Ąnger als die Olympic war, konnten zwar nicht ins Auge fallen. Jedoch war die Titanic durch diesen halben Meter Unterschied zum Zeitpunkt ihrer Indienststellung das gr├Â├čte je gebaute Schiff und ├╝bte allein durch diesen Titel schon eine nicht zu untersch├Ątzende Anziehungskraft auf potentielle Reisende aus. Dar├╝ber hinaus wartete sie mit Annehmlichkeiten auf, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts mitunter revolution├Ąr waren; das Schiff bot unzweifelhaft einem Komfort, der seinesgleichen suchte, selbst in den unteren Passagierklassen. Und In der Tat lockte die Jungfernfahrt des Ozeanriesen eine hohe Zahl prominenter Passagiere des Adels und Geldadels jener Zeit an; selten hatte ein Schiff wohl eine klangvollere Passagierliste vorzuweisen.

Unter diesen ausgezeichneten Vorzeichen f├╝r eine glanzvolle Jungfernfahrt verlie├č die Titanic Southampton und nahm nach Zwischenstopps vor Cherbourgh, Frankreich und Queenstown, Irland am 11. April Kurs auf New York; ihre letzten vier Tage auf See.

In der Nacht zum 15. April 1912 schlie├člich ereilte das Schiff jenes Schicksal, das es zur Legende werden lie├č und welches literarisch wie auch filmisch ungez├Ąhlte Male verarbeitet und diskutiert worden ist. Ungebremst und zahlreiche Eiswarnungen ignorierend, das kalkulierte Risiko einer Kollision in Kauf nehmend, um dem Termindruck einer nicht allzu sp├Ąten Ankunft in New York gerecht zu werden, begab sich das gr├Â├čte Schiff der Welt in ein t├╝ckisches Eisfeld und kollidierte kurz vor Mitternacht mit dem schicksalhaften Eisberg. W├Ąre sie frontal mit dem Eisberg zusammengesto├čen, w├Ąre die Titanic ├╝ber Wasser geblieben, doch die Besatzung versuchte, dem Eisberg noch auszuweichen, Die Titanic sinkt, 15. April 1912 so dass das Eis schlie├člich auf die viel verletzlichere Flanke des Schiffes traf. Es f├╝gte der Titanic unterhalb der Wasserlinie auf einer L├Ąnge von fast 90 Metern zahllose Lecks zu, die in ihrer Gesamtheit einen nicht zu stoppenden Wassereinbruch verursachten. Dar├╝ber hinaus besa├č das Schiff zwar wasserdichte Abteilungen, jedoch liefen diese nur bis zum E-Deck und damit nicht hoch genug, da das eindringende Wasser den Bug nach unten dr├╝ckte und damit das Wasser einfach ├╝ber die Schotts ├╝berlaufen und in die dahinter liegenden Abteilungen eindringen konnte. Katastrophal f├╝r die Passagiere und Besatzung war au├čerdem der Umstand, dass die Titanic wie alle Ozeandampfer ihrer Zeit keinesfalls genug Rettungsboote mitf├╝hrte, als dass alle an Bord befindlichen Menschen h├Ątten Platz darin finden k├Ânnen; ein Misstand, der auf zu lasche und veraltete Sicherheitsbestimmungen der Seefahrtsbeh├Ârden zur├╝ckzuf├╝hren war. Dadurch wurde das Untergehen des Schiffes automatisch zu einer menschlichen Trag├Âdie - ├╝ber 1100 Menschen Der Cunard Dampfer Carpathia, der die Titanic-Überlebenden an Bord nahm mussten im eiskalten Wasser des Nordatlantiks erfrieren oder ertrinken, nur 711 konnten am Morgen des 15. April vom Cunard-Dampfer Carpathia geborgen werden.

Das schlimmste Schiffsungl├╝ck, das die Seefahrt bis dahin in Friedenszeiten erlebt hatte l├Âste gro├čes Entsetzen und Trauer auf beiden Seiten des Atlantiks aus, und es war gewisserma├čen der Todessto├č f├╝r den fortschrittsgl├Ąubigen Zeitgeist zu Beginn des 20. Jahrhunderts, in dem die Technik alles m├Âglich zu machen schien und der Mensch imstande, sich die Natur dauerhaft zu unterwerfen. Das Ungl├╝ck war eine Z├Ąsur im kollektiven Denken der Gesellschaft, aber gleicherma├čen auch der Ansto├čpunkt f├╝r neue ├ťberlegungen. Mit Hinblick auf das schreckliche Schicksal der Titanic wurden zahlreiche Anstrengungen unternommen, die Sicherheit auf See zu verbessern: ausreichend Rettungsboote auf Schiffen wurden ebenso Pflicht wie verbesserte Schottentechnik oder auch die Verordnung, dass fortan jedes Schiff zwingend eine Funkanlage besitzen und der Funkraum rund um die Uhr besetzt sein musste. Dies war ein Resultat des Umstandes, dass zum Zeitpunkt des Untergangs der Titanic oft nur ein Funker an Bord eines Schiffes war - wenn an Bord sich ├╝berhaupt eine Funkanlage befand - und dieser das Funkger├Ąt nat├╝rlich nicht rund um die Uhr bedienen konnte. So war etwa der Funker der Californian, einem Passagierschiff, das sich viel n├Ąher an der Position der Titanic befand als die Carpathia, und die vielleicht fr├╝h genug die Ungl├╝cksstelle h├Ątte erreichen k├Ânnen, um auch noch ├ťberlebende aus dem Wasser aufzunehmen, kurz bevor die Titanic ihre ersten Notrufe absetzte schlafen gegangen.

Auch wurde ein einheitlicher Standard f├╝r das Notraketen vereinbart. Diesen hatte es Schlagzeile der New York Times am 16.4.1912 bis dato nicht gegeben, so dass die Notraketen, die die Titanic-Besatzung abfeuerte zwar von der Besatzung der Californian gesichtet, aber nicht als Notsignal interpretiert wurden.

Alles in allem bleibt auch heute noch, nach zahllosen Recherchen und Untersuchungen, Befragungen von ├ťberlebenden und Ereignisrekonstruktionen, nachdem Tiefsee-Expeditionen 1985 erstmals das Wrack der Titanic ausmachten und seitdem viele Male untersuchten, noch vieles um die genauen Umst├Ąnde des Ungl├╝ckes im Dunkeln. Stoff, aus dem sich bevorzugt Legenden bilden und der daf├╝r sorgt, dass das Interesse am Mythos Titanic niemals erlischt. Das Schiff selbst hat nie das vollbracht, wozu es geschaffen worden war, es war noch nicht einmal eine Woche lang im tats├Ąchlichen Einsatz. Doch sein Mythos ist unsterblich geworden und hat alle anderen Ozeanriesen dieser Epoche in unendlich gro├čem Ma├če ├╝bertroffen, die Jahrzehnte ├╝berlebt und wird vermutlich f├╝r alle Zeiten in der Fantasie und Faszination der Menschen lebendig bleiben.

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